Manieren für Manager
"Guten Tag, ich bin der Herr Meier." Freundlich schüttelt der Bewerber seinem potenziellen Arbeitgeber die Hand - und hat seine Jobchancen schon verspielt. "Der Ranghöhere gibt immer zuerst die Hand und niemand darf sich selbst als "Herr" vorstellen", erklärt Roselie Herrmann die beiden Fehler des gescheiterter Job-Anwärters. Sie wären wohl nicht passiert, hätte der Bewerber eines der Benimm-Seminare besucht, in denen die Nürnberger Soziologin gestandenen Managern gute Manieren beibringt.
Der Ansturm auf die ein- bis eineinhalbtätigen Schulungen ist groß. Benimm zählt, wenn es darum geht, die Karriereleiter ein Stück höher zu kraxeln. Das habe unter anderem eine Studie der TU Darmstadt ergeben, bei der die Karriere von Promovierten über Jahrzehnte hinweg verfolgt worden sei, "Souveränes Auftreten und korrekte Umgangsformen waren der absolut dominante Karrierefaktor", sagt Prof. Hartmann, der Leiter dieser Studie.
Knigge für Führungskräfte
Doch der Knigge für Führungskräfte ist heute komplizierter denn je. Vor allem beim Umgang zwischen Mann und Frau lockt auf Schritt und Tritt ein Fettnäpfchen. Muss man tagsüber beim Arbeitsgespräch noch den Chef vor der Sekretärin begrüßen, ist es bei der Cocktail-Party am Abend Pflicht, zunächst die Dame willkommen zu heißen. Und auch der Autohändler, der einer potenziellen Kundin freudig lächelnd die Hand entgegenstreckt, begeht einen Fauxpas.
"Der Herr stellt sich in diesem Fall vor, die Dame reicht die Hand", betont Herrmann, die mit ihren Anstandsregeln schon mal den Widerstand grau melierter Entscheidungsträger provoziert. "Viele sind mit ihrem jahrzehntelang akzeptierten Benehmen zufrieden", weiß Herrmann. Benimmregeln änderten sich jedoch ebenso schnell wie die Gesellschaft.
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Auszüge aus Handelsblatt.com

Fettnäpfchen für Führungswillige
Es gibt eine Menge Möglichkeiten für Manager, sich danebenzubenehmen. Je aufmerksamer sich die Augen der öffentlichkeit und ihrer Stellvertreter, der Fernsehkameraleute, auf sie richten - und das tun sie nun einmal in diesen Zeiten, da jede(r) über alles sofort informiert sein will -, desto größer die Chance, dass kleine rhetorische und große strategische Pannen der Top-Entscheider sofort derart breit getreten werden, dass sich nicht nur die Aktienkurse des Unternehmens nicht so schnell vom Imageschaden erholen.
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Fettnäpfchen lauern also überall, aber sie lauern nicht nur in der luftigen Höhe am Ende der Karriereleiter. Danebenbenehmen kann sich jeder schon so früh und so gründlich, dass er oder sie nicht einmal die ersten Sprossen dieser Karriereleiter zu überwinden vermag. Davon weiß zum Beispiel Roselie Herrmann ein Lied zu singen, die Nürnberger Soziologin, die sowohl gestandenen als auch Möchtegern-Managern gutes Benehmen beibringt.
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Dass Benimm-Trainer so viel Wert auf eine tadellose Begrüßung legen, hat seine Gründe. Wir entscheiden nämlich innerhalb der ersten sieben Sekunden, wen mir mögen oder auch nicht, wissen die Knigge-Kenner und Karriereförderer. Der erste Eindruck bestimme oft jahrelang unsere Meinung über einen Menschen. Schlechtes Benehmen als Karrierekiller Nummer Eins: Wenn man sich so umschaut in der Welt, scheint das vielen alles andere als klar zu sein.
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Auszüge aus Süddeutsche Zeitung

Witze beim Abendessen weglassen
... Haben wir so schlechte Manieren, dass Nachhilfe dringend nötig ist?
Herrmann: Natürlich gibt es die "gute Kinderstube". Doch die Umgangsformen befinden sich in ständigem Wandel und die Menschen sind sich in manchen Situationen unsicher, wie sie sich verhalten sollen. Ich meine hierbei nicht den täglichen Umgang, sondern so spezielle Situationen wie zum Beispiel ein "arbeitsessen". Hier geht es schon beim Betreten des Restaurants
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anfangs macht man meist etwas "small talk" um sich aufzuwärmen. Dabei kann man mitunter auch kräftig ins Fettnäpfchen treten.
Herrmann: Man sollte vermeiden, Witze zu erzählen oder wenn es schon sein muss, dann aber wirklich nur einen. Allzu persönliche äußerungen über Politik, Religion, Krankheiten und Tod sind tabu. Auch das Fachwissen meines Gegenüber darf ich nicht für private Fragen beanspruchen, nach dem Motto "Sie sind doch Rechtsanwalt, könnten Sie mir einen Tipp in einer Erbschaftsangelegenheit geben." Genauso wenig wie man in einem größeren Kreis seinen Nachbarn im Gespräch festhalten sollte. Das ist eine grobe Unhöflichkeit.
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Kommt man nicht mit Natürlichkeit und Selbstbewusstsein weiter, statt sieh sklavisch an angebliche Verhaltens-Vorschriften zu halten?
Herrmann: Selbstverständlich muss man mit einer gewissen Lockerheit und Freundlichkeit auftreten. Man kann nicht alle Regeln im Kopf behalten und die Möglichkeit, etwas falsch zu machen, ist sehr groß; aber der Verhaltenskodex gibt Sicherheit, sich gesellschaftlich richtig zu bewegen.
Sind die Benimm-Regeln letztlich nicht sehr subjektiv?
Herrmann: Zu Zeiten von Bundeskanzler Konrad Adenauer war die Protokoll-Dame Erica Pappritz zuständig für die Etikette, die dann für weite Gesellschaftskreise streng verbindlich war. Heute definiert die "arbeitsgemeinschaft Internationale Umgangsformen", was man verbindlich unter Manieren versteht, was tabu ist und was als lässliche Sünde bewertet werden kann.
Auszüge aus Nürnberger Nachrichten

Mit Stil zum Ziel
Seit einiger Zeit erleben sie eine Renaissance. Sie gelten als Attribut der Erfolgreichen. Und man kann sie in Seminaren erlernen. Die Rede ist von guten Umgangsformen. welche Rolle spielt der gute Ton im heutigen Berufsleben wirklich? Und was lässt sich in Etikette-Trainings lernen?
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Gegen Ende der 80er Jahre wurden die ersten Seminare für Höflichkeit und Business-Etikette aus der Taufe gehoben. In jener Zeit verblassten die Nachwirkungen der 68er allmählich; die einstigen Revoluzzer wurden zunehmend karrierebewusster, und auch ihre Söhne und Töchter schickten sich an, beruflich etwas aus sich zu machen - hoch qualifiziert, fachlich kompetent, doch alzu häufig recht unbedarft, was die "Dos" und "Don'ts" des gesellschaftlichen Umgangs anbelangte.
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"Gesellschaftsgeschichtlich betrachtet war die Abkehr von jeglichen Formen und Vorgaben zwar ein wichtiger Entwicklungsschritt", so Roselie Herrmann, Trainerin für Stil, Image und Kommunikation in Nürnberg, "doch auf Dauer gesehen weniger praktikabel". Die Einsicht, dass sich die Beachtung bestimmter Forrmen durchaus positiv auf zwischenmensche Kontaktsituationen auswirkt, setzte sich daher wieder mehr und mehr durch. Eine Rückkehr zu den "guten Manieren" aus Großmutters Zeiten also?
Wer das Repertoire dieser vertrauensbildenden Signale nicht beherrscht, macht sich und anderen das Leben unnötig schwer, denn sie sind das öI im Getriebe des gesellschaftlichen Miteinanders oder - wie Roselie Herrmann es ausdrückt - "ein Eckpfeiler des menschlichen Zusammenlebens". Taktlose Kollegen und Chefs sind nicht nur unangenehm, sondern stellen auch eine erhebliche Belastung für's Betriebsklima dar, denn ihre Schroffheit und Kurzangebundenheit rufen allzu oft persönliche animositäten und Missverständnisse hervor. Höflichkeit ist gerade auch aus diesem Grund ein Faktor, der im Berufsleben von unschätzbarer Bedeutung ist. Wrede-Grischkat hält sie gar für eine Kommunikationsleistung, die Unternehmen heute von ihren Mitarbeitern erwarten, müssen".
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Wer nun jedoch glaubt, es reiche, lediglich Fassadenpolitur zu betreiben, irrt gewaltig. "Jemand, der gutes Benehmen nur oberflächlich zur Schau stellt, ist nie und nimmer glaubwürdig", betont Roselie Herrmann. Obwohl wir alle wissen, dass Höflichkeit eine Erfolgsstrategie ist, reagieren wir äußerst emptindlich, wenn dies allzu offensichtlich zu Tage tritt. Wir fühlen uns betrogen, für dumm verkauft, hinters Licht geführt - und quittieren die Scharade mit Misstrauen und Ablehnung, so die Warnung der Etikette-Trainer.
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Mit ihrem Verhalten führt Droste den Teilnehmern ihrer Seminare eine weitere goldene Regel der Höflichkeit vor Augen: nämlich die, Missgeschicke anderer prinzipiell dezent zu übersehen. Was aber bleibt zu tun, wenn man selbst durch das Verhalten eines sehr unhöflichen Gegenübers in arge Bedrängnis gerät, wenn die Situation so weit eskaliert, dass es bis zur Verletzung der eigenen Persönlichkeit geht? Dann verlässt man am besten einfach den Raum. Genug ist nämlich genug - selbst für den versiertesten Knigge-Jünger.
Auszüge aus ManagerSeminare

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